Zwei Schweizer durchbrechen die chinesische Internetzensur

Datum 21.10.2007 | Thema: Internet Tipps

Was die Masse anbelangt, ist China Nummer Eins der Welt. Bez├╝glich Pressefreiheit belegt das Land allerdings die 163. Stelle unter 168 L├Ąndern. Auch das Internet hat das Land nicht freier gemacht: In China wird es stark zensiert. Nun kommt Hilfe aus der Schweiz.
Zwei Schweizer K├╝nstler haben eine Methode entwickelt, wie weltweit jegliche Internet-Kontrolle umgangen werden kann. China - das ideale Testfeld f├╝r ihre Art, die Zensur zu besiegen. Die K├╝nstler Mathias Jud und Christoph Wachter haben eine Besichtigungstour durch das Reich der Mitte gemacht. Doch eigentlich interessieren sich die beiden nicht f├╝r die Chinesische Mauer aus Stein und Lehm, sondern f├╝r jene aus Bits und Bytes - f├╝r die digitale Barriere, die den Internet-Verkehr kontrolliert.

Zahlreiche Internet-Seiten sind in China nicht erreichbar. Etwa das Online-Lexikon Wikipedia und die Nachrichten-Seite der BBC. Auch wer nach freiem Tibet, Demokratie oder Menschenrechten sucht, wird geblockt oder umgeleitet. "Die Zensur tritt als Netzwerkproblem in China auf", sagt Mathias Jud. "Es hei├čt nicht, die Seite ist gesperrt, sondern sie erscheint einfach nicht." Offiziell leugnet die chinesische Regierung die Existenz einer Internet-Zensur. Aber es gibt sie zweifellos. Man nennt sie "Golden Shield" oder auch "The Great Chinese Firewall". Die beiden K├╝nstler haben zu Hause ein Werkzeug entwickelt, wie sie die Internetzensur umgehen k├Ânnen: Picidae!

Hinter Picidae steckt eine genial einfache Idee: Sags mit Bildern. Mit diesem Kniff unterl├Ąuft man die chinesischen Zensur, denn die sucht einzig nach verd├Ąchtigem Text und heiklen Stichworten. "Mit Picidae erstellen wir ein Bild einer Website", erl├Ąutert Mathias Jud. "Wir benutzen dieses Bild als Verschl├╝sselung, das hei├čt, die Zensur ist nicht mehr f├Ąhig, innerhalb dieses Bildes den Text zu erkennen. Wir Menschen sehen diesen Text aber im Bild auf dem Screen, das hei├čt,es sieht genau gleich aus." Wer bei Picidae eine Internet-Seite aufruft, erh├Ąlt von einem Server umgehend das automatisch generierte Bild dieser Webpage, etwa der gesperrten Seite "Tianwang". Dank raffinierter Technik bemerkt der Benutzer nichts davon, dass er auf einem Bild surft. Alles erscheint normal.

Picidae als Fenster zur Welt - es funktioniert ohne zus├Ątzliche Programme und verlangt vom Benutzer keine technischen Kenntnisse. Aus diesem Grund ist Picidae besonders attraktiv. Denn seine Seite ist ein Netzwerk f├╝r die kleinen Leute von der Stra├če, f├╝r jene, die keinen eigenen Computer besitzen. Die Schweizer Methode funktioniert auch in Internet-Caf├ęs, denn man muss keine Software installieren. Jeder kann sie benutzen. Das ist wirklich einzigartig.Die Rolle der Menschenrechts-Aktivisten liegt den beiden Schweizern aber nur begrenzt. Sie sehen sich als K├╝nstler, deren Arbeit unter anderem auch gegen die chinesische Zensur benutzt werden kann.

Picidae



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