CreditCard-Rasterfahndung

Datum 09.01.2007 | Thema: Ăœberwachung

Im Kampf gegen Kinderpornographie ist der Polizei ein spektakulĂ€rer Schlag gelungen, berichtet Spiegel-Online. Die Fahnder sind durch ÜberprĂŒfung sĂ€mtlicher Kreditkartendaten den Perversen auf die Spur gekommen.


Um es gleich mal klarzustellen: Gegen PĂ€derasten und KinderschĂ€nder muß auf's SchĂ€rfste vorgegangen werden. Ausrufezeichen!

NatĂŒrlich finden wir es gut, wenn durch ÜberprĂŒfung der Kreditkarten-Transaktionen diese Verbrecher dingfest gemacht werden. Die Netzeitung schreibt von 322 TatverdĂ€chtigen - die Zahl an sich ist schon erschreckend genug - aber welchen Preis bezahlen wir, damit wir dieser KriminalitĂ€t Herr werden? Darf unserer Exekutive jedes Mittel in die Hand gegeben werden in diesem Krieg gegen Kinderpornographie?

Wenn man sich einen Spam-Filter anschaut, dann funktioniert dieser Ă€hnlich einer Raster-Fahnung, wie eben diese Massen-KreditkartenĂŒberprĂŒfung. Doch dabei gibt es Probleme, und im Falle meines persönlichen Spam-Filters kommt immer noch viel Spam "durch", den ich aber schnell per Hand löschen kann. Schlimmer ist es, wenn eine "echte" Mail als Spam klassifiziert und durch den Filter gelöscht wird. Und genau da liegt die Gefahr. Die verdĂ€chtigen PĂ€derasten wurden daran erkannt, "ob eine bestimmte Summe in einem festgelegten Zeitraum auf ein verdĂ€chtiges Konto im Ausland ĂŒberwiesen worden ist" (Spiegel-Online).

Man stelle sich vor, ein Unschuldiger kauft in eben diesem Ausland etwas, daß genau dieser Summe entspricht. Da lĂ€uten in der Rasterfahndung sĂ€mtliche Alarmglocken. Das wĂ€re reiner Zufall, möchte man meinen, sowas gibts ja gar nicht. Meine Spam-Quote sagt mir etwas Anders. Und es passieren noch genug andere Ermittlungspannen.

Aber noch etwas ist schlimm an diesem elektronischen DNA-Speicheltest. Ebenso wie dieser ist es ein Massentest, und wer "nichts zu verbergen hat, der braucht sich auch vor nichts zu fĂŒrchten". NatĂŒrlich werden die durch diese Tests ermittelten VerdĂ€chtigen danach ja noch nach Methoden klassischer Polizeiarbeit ĂŒberprĂŒft. Aber Menschen machen keine Fehler, oder wie?

FĂ€lschlicherweise mit einem Vorwurf wie dem der KinderschĂ€nderei bezichtigt zu werden, kann Existenzen zerstören. Auch wenn die Unschuld des VerdĂ€chtigen zweifelsfrei bewiesen wurde (Hier schon Umkehr der Beweislast!), heftet ihm immer noch dieser Makel an, ĂŒberhaupt verdĂ€chtigt worden zu sein.

Die Folgen mag sich der geneigte Leser gegebenenfalls selbst ausmalen; auf jeden Fall wurde hier wieder ein Pflock eingerammt, ein weiterer Schritt in Richtung Polizeistaat. Wenn sich dieses Verfahren durchsetzt, sind wir nicht mehr weit von Bewegungsprofilen und kompletter Überwachung entfernt. Diese Kreditkarten-Daten lassen sich sicher auch noch in anderen Ermittlubgsverfahren wiederverwenden (=erneut anfragen lassen).

Wer den Text bei Spiegel-Online gelesen hat: Hat irgendjemand das Wort "richterliche Anordnung" entdecken können?





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