Der tiefe Fall eines Aufsteigers

Datum 16.03.2005 | Thema: Nachrichten

Ein Gespräch mit einem ehemaligen Mitarbeiter* eines sogenannten Finanzoptimierers läßt den Traum des Starverkäufers platzen.

Aus dem Nähkästchen geplaudert klingt das in etwa so:

Nachdem ich mich selbstst√§ndig gemacht habe verzichtete ich auf einen gro√üen Teil eines festen Gehalts. Das Einkommen sollte durch gro√üz√ľgige Provisionen hereinkommen. Mir wurde das Blaue vom Himmel versprochen. Zusagen, die leider nur m√ľndlich erfolgt sind wurden dabei nicht eingehalten. Meine Anfangsinvestition bestand erst einmal darin mir ein eigenes B√ľro zuzulegen. Fortan versuchte ich √ľber einen kleinen Kundenstamm, der mir zugeteilt wurde meine Produkte an den Mann zu bringen. Von Fonds √ľber Lebensversicherung und Bausparvertr√§ge war alles dabei. Fonds waren aber in den letzten Jahren eher schwierig an den Mann zu bringen, die Anleger hatten sich die Finger verbrannt.

Das Gesch√§ft lief nicht besonders, meine Ersparnisse waren verbraucht und ich baute einen Schuldenberg auf. Dann machte ich einen Fehler: Ich versuchte Freunde, Bekannte und ehemalige Schulfkameraden meine Produkte anzudrehen. Fuhr tausende Kilometer mit meinem geleasten Wagen, um ein Gesch√§ft abzuschlie√üen, um in der Hirachie des Unternehmens aufzusteigen, was mir ein h√∂heres Festeinkommen gesichtert h√§tte. Freunde wollten nichts mehr von mir wissen, da ich meinen Arbeitgeber in h√∂chsten T√∂nen lobte und bei jeder Gelegenheit versuchte ein Produkt zu verkaufen. Laptop und Vertr√§ge waren immer dabei. Dann kam der Ausstieg. Ich hatte die Nase voll, von morgens um 7:00 bis abends 23:00 und sp√§ter war ich auf Achse f√ľr nichts und wieder nichts. Von meinem Aufstieg wurde nichts, da meine Zahlen nicht gut genug waren. Um aus dem Vertrag rauszukommen mu√üte ich bluten und eine Abl√∂se an meinen ehemaligen Arbeitgeber zahlen. Nun habe ich wieder einen festen Job, allerdings mu√ü ich einen dicken Abtrag leisten.


Dazu pa√üt auch, da√ü sich merkw√ľrdigerweise sogar Elektroinstallateure pl√∂tzlich als Anlageberater verdingen und mir auflauern, weil ich in der 7. Klasse einmal mit ihnen zur Schule ging, bevor Sie sitzenblieben...


*Name bekannt



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