Offener Brief an Frau Silvana Koch-Mehrin und Herrn Jorgo Chatzimarkakis

Datum 17.07.2011 | Thema: Politik

Sehr geehrte Frau Koch-Mehrin, sehr geehrter Herr Chatzimarkakis,

Ihnen beiden ist in der j├╝ngsten Vergangenheit der Doktorgrad durch Ihre Alma Mater entzogen worden. Ihre Arbeiten entsprechen nicht den wissenschaftlichen Standards; dies begr├╝ndet sich insbesondere dadurch, da├č Sie fremdes geistiges Eigentum in Ihren Arbeiten verwendet haben, ohne die in wissenschaftlichen Kreisen ├╝bliche Zitierweise einzuhalten. Dadurch ist der Eindruck entstanden, Sie w├Ąren der Urheber dieser Textstellen. So etwas nennt man Plagiat.

Nat├╝rlich besteht die M├Âglichkeit, da├č so etwas fahrl├Ąssig passieren kann. Die schiere Menge an Plagiaten in Ihren beiden Arbeiten impliziert aber etwas ganz Anderes. Sie haben sich in gro├čem Ma├če die Arbeit Anderer zu Nutze gemacht, um Ihren akademischen Grad zu erreichen, und zwar in einem Umfang, da├č eine Fahrl├Ąssigkeit beinahe ausgeschlossen werden kann. Sie sind beide nicht mehr im wissenschaftlichen Betrieb t├Ątig und auch nicht wirtschaftlichen Berufen, die eine entsprechende Qualifizierung vorraussetzen w├╝rden. Da Sie beide schon im politischen Gesch├Ąft t├Ątig waren, als Sie Ihre Dissertationen verfasst haben, dr├Ąngt sich die Vermutung auf, da├č Sie den Doktorgrad prim├Ąr zum Vorankommen in der Politik benutzen wollten. Damit ordnen sich Ihre Arbeiten in das Reich der Prestige-Promotionen ein, in denen der wissenschaftliche Gehalt von vornherein als gering zu betrachten ist.

Sie, Herr Chatzimarkakis, versuchen Ihr Fehlverfalten durch eine in anderen L├Ąndern ├╝bliche Zitierweise, nennen wir sie mal die "Oxfordsche", zu legitimieren. Damit werden Sie hier nicht durchkommen, und schon gar nicht in Oxford. Im anglo-amerikanischen Sprachraum werden Plagiate viel sch├Ąrfer ge├Ąchtet, als das in Deutschland der Fall ist. Meinen Sie im Ernst, in Oxford gelten andere Ma├čst├Ąbe im Bezug auf die Referenzierung anderer Leistungen in eigenen Arbeiten? In diesem Fall d├╝rfte man Ihnen jegliches Verst├Ąndnis f├╝r die wissenschaftliche Arbeitsweise absprechen, so da├č Sie von vornherein nicht als Tr├Ąger eines solchen Grades in Frage kommen w├╝rden.

Sie beklagen sich auch dar├╝ber, da├č Plattformen wie Guttenplag und Vroniplag anonym arbeiten. Meine Frage an Sie: Was ├Ąndert diese Tatsache an Ihrer Doktorarbeit? Sie sind verantwortlich f├╝r ihren Inhalt, und niemand sonst. Eine Dissertation ist eine herausragende wissenschaftliche Arbeit, die in Bibliotheken anonym eingesehen werden und somit auch zitiert werden kann. Eine anonyme Untersuchung auf einer Internetplattform, die sich dem Zweck verschrieben hat, fehlerhafte wissenschaftliche Arbeit aufzudecken finden Sie als Liberaler verwerflich? Das is eine Auffassung der liberalen Idee die mir als FDP-Mitglied neu ist.

Sie beide k├Ânnen sich mit dem Verlust Ihrer Meriten nicht abfinden. Sie, Frau Koch-Mehrin, versuchen es auf dem Rechstwege, der Ihnen selbstverst├Ąndlich offensteht, und Sie, Herr Chatzimarkakis, wollen eine neue Doktorarbeit schreiben, beziehungsweise Ihre alte nachbessern. Ihr Verhalten zeigt, da├č es Ihnen ├╝berhaupt nicht um die Mehrung des Wissens und dessen Nutzen f├╝r die akademische Gemeinschaft geht. F├╝r Sie bedeutet der Doktorgrad eine Steigerung Ihres gesellschaftlichen und politischen Ansehens.

Der Fall zu Guttenberg hat mich noch nicht veranlasst, einen Brief zu verfassen, obwohl ich dessen Verhalten f├╝r genauso verwerflich halte. Sie beide sind aber Parteifreunde von mir, und in diesem Fall kann ich nicht l├Ąnger schweigen. Sie haben mit Ihrem Verhalten Schmach ├╝ber die Partei gebracht, und ich fordere Sie hiermit auf, zur├╝ckzutreten.

Ein sogenanntes anonymes FDP-Mitglied



Dieser Artikel stammt von eraser.org
http://www.eraser.org

Die URL f├╝r diesen Artikel lautet:
http://www.eraser.org/modules/news/article.php?storyid=1075