Change we have to believe in

Datum 04.05.2011 | Thema: Gesellschaft / Zeitgeschehen

Nach so vielen Jahren, kurz vor dem zehnten Jahrestag der AnschlĂ€ge des 11. Septembers, geschah, was niemand mehr fĂŒr möglich gehalten hat: Der meistgesuchte Mann der Welt wurde von einem Killerkommando erschossen; und die westliche Welt jubelt. Die US-Amerikaner vergessen die Arbeitslosigkeit, die Rezession und all ihre anderen Sorgen; Hauptsache, Osama Bin Laden ist erledigt. Bei seinen sinkenden Umfragewerten kommt dies fĂŒr US-PrĂ€sident Barack Obama gerade zum richtigen Zeitpunkt. Selbst das Lager Guantanamo, weswegen Obama lange in der Kritik stand, ist wieder salonfĂ€hig. Ist der Krieg gegen den Terror damit zu Ende, die Welt nun eine bessere? Mitnichten, jetzt geht es erst richtig los.
Um die TerroranschlĂ€ge des 11. Septembers 2001 ranken sich fast ebensolange die Zweifel, ob die von offiziellen Stellen abgegebenen ErklĂ€rungen auch so ganz der Wahrheit entsprechen. Bin Laden, der ja als Drahtzieher gehandelt wurde, und insbesondere sein Ableben bilden da keine Ausnahme. MerkwĂŒrdig ist schon die Aussage von Bin Laden selbst, er habe mit den AnschlĂ€gen nichts zu tun gehabt. Dies war bei frĂŒheren Gelegenheiten anders, bei denen ein Bekenner-Dokument nicht lange auf sich warten ließ. Der Krieg gegen den Terror begann, mit dem expliziten Bekenntnis von US-PrĂ€sident George W. Bush, Bin Laden zur Strecke zu bringen. Dies Ă€nderte sich schon im MĂ€rz 2002, als dieses Interesse ziemlich erloschen war. Vorher schon haben die Medien gefragt, ob Bin Laden nicht schon frĂŒher das Zeitliche gesegnet hatte. Eine sehr interessante Zusammenfassung findet sich hier.

Was hĂ€tte das Bekanntwerden des (natĂŒrlichen) Ablebens von Bin Laden im Dezember 2001 fĂŒr den "Krieg gegen den Terror" bedeutet? Es wĂ€re der US-Regierung sicherlich nicht dienlich gewesen, wenn sich dieses "Schwein" durch einen natĂŒrlichen Tod seiner gerechten Strafe "widerrechtlich" entzogen hĂ€tte. Dann wĂ€re ja das PrimĂ€rziel erreicht worden, und dem Kriegseinsatz wĂ€re die Hauptgrundlage somit entzogen worden. Jedenfalls verschwand Bin Laden, am Leben oder nicht, ersteinmal von der BildflĂ€che. Ab und zu hörte man nochmal von ihm in Form von Audio- und Video-Botschaften, ĂŒber deren Echtheit schon viel gestritten wurde. Auch der folgende US-PrĂ€sident rĂ€umte ihm keinen hohen Stellenwert mehr ein.

Die Zeit verging, und Bin Laden geriet zunehmend in Vergessenheit. Bis zum 01. Mai 2011, wo dann der Donnerschlag erfolgte. In einer 40-minĂŒtigen Kommandoaktion soll Bin Laden in Pakistan in einem luxuriösen Anwesen gestellt und getötet worden sein. Entgegen der ersten Darstellung, Bin Laden hĂ€tte bewaffneten Widerstand geleistet, war dieser wohl unbewaffnet. Den Seals, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als solche EinsĂ€tze zu trainieren, war es dennoch nicht möglich, Bin Laden lebendig zu ĂŒberwĂ€ltigen. Das ist bedauerlich, es wĂ€re wohl durchaus interessant gewesen, im Rahmen eines Tribunals zu hören, was er so vorzubringen gehabt hĂ€tte.

Nach gelungener Identifizierung wurde der Leichnam dann auf einen FlugzeugtrĂ€ger geschafft und ist dann "ins blaue Regal" gestellt worden, wie die Seeleute so sagen. Obama hĂ€lt seine Triumphrede, und selbst die Republikaner zollen ihm Anerkennung. Nur: der Welt wurde nicht ein einziger Beweis prĂ€sentiert, daß es sich wirklich um Bin Laden gehandelt hat. Die Veröffentlichung eines glaubhaften Fotos lĂ€ĂŸt weiter auf sich warten. Nach islamischen Recht muß der Leichnam vor der Bestattung gereinigt werden, also hĂ€tten die grausamen (gruesome) Verletzungen ja wenigstens kaschiert werden können, bevor man Fotos der Leiche gemacht hĂ€tte. Che Guevaras Bilder gingen auch um die Welt.

Was die DNA-Beweise anbelangt: Diese wurden erstens in atemberaubender Geschwindigkeit erbracht, was schon sehr beachtlich ist; zweitens, der Analytiker bekommt nur zwei Proben, die er zum Vergleich analysiert. Da er ja den Toten nicht selber in Augenschein nimmt, muß er sich auf das ihm zur VerfĂŒgung gestellte Probenmaterial verlassen, und das bekommt er ja nun vom Einsatzkommando ausgehĂ€ndigt.

Es bleibt also nichts anderes ĂŒbrig, als auf die Aussagen der US-Regierung zu vertrauen, daß es alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Change we can have to believe in.

UPDATE: Es gibt keine Fotos. Basta. Aber wir wir sind 95% sicher, daß er es war. Die Bevölkerung braucht sich ja nicht mit diesem brutalen Kram zu plagen; es reicht ja, wenn wir absolut sicher sind, daß wir ihn erwischt haben.

GEORGE W. BUSH: "Let us never tolerate outrageous conspiracy theories"



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