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Adel verpflichtet - Politik - Die Nachrichten
Politik : Adel verpflichtet
Geschrieben von c4sh am 19.02.2011 (2492 x gelesen) Artikel vom Autor
Politik

"Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab." So wird im Netz ein Sprichwort der Dakota-Indianer überliefert. Diese Empfehlung sollte sich auch unser Verteidigungsminister mit dem "ruhenden" Doktortitel zu Herzen nehmen. Wie auch immer dieser Vorgang ausgeht, es wird für viele Beteiligte auf lange Zeit ein Schaden verbleiben. Aber auch die schlimmste Krise hat ihre "gutten" Seiten.

Wie schon vor ein paar Tagen vermutet, zieht der Plagiatsvorwurf an der Dissertation des Verteidigungsministers Dr. zu Guttenberg weitere Kreise. Die Plattform Guttenplag zählt mittlerweile 248 Seiten (63,10%) der Prädikatsarbeit, die Plagiate enthalten sollen. Wer hier noch an ein paar "Zitierfehler" glauben will, den möchte ich in seinem Glauben nicht beirren. Sollte die Grafik die Realität widerspiegeln und behält man dabei noch im Hinterkopf, daß diese Arbeit ja auch noch ca. 1300 "echte" Zitate enthält, so muß man zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen, daß Dr. zu Guttenberg fast gar keine eigene Leistung in seiner Arbeit gebracht hat. Es wäre meines Erachtens ein absolutes Novum in der Wissenschaftsgeschichte, daß so ein Werk das Urteil "summa cum laude" erhält.

Dr. zu Guttenbergs Arbeit, die ja auch die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika behandelt, wird ebendort nun mit einem Probierstein behandelt werden. In den USA weht ein ganz anderer Wind, was die Aneignung fremder Leistungen angeht (siehe hier). Insofern hat das mögliche Fehlverhalten des Ministers auch noch zu einer Beschädigung des wissenschaftlichen Rufs der deutschen Akademiker im Ausland geführt.

Es ergibt sich auch die Frage, inwieweit ein solcher Verteidigungsminister noch von der Truppe akzeptiert werden kann. Man stelle sich den Zeitsoldaten vor, der für 12 Jahre verpflichtet, einem sehr fordernden Studium in Trimestern nachgeht, um anschließend im Auslandseinsatz seinem promovierten Chef zu begegnen. Sollte dieser seinen Titel zu unrecht führen, würde dies eine massive Beeinträchtigung des Dienstverhältnisses bedeuten. In einer Hierarchie wie der Bundeswehr, wo eben Gewissenhaftigkeit zu den unerlässlichen Tugenden gehört, ist dies ein unzumutbarer Zustand.

Die gestrige Pressekonferenz offenbart aber ganz andere, gar schauspielerische Talente des Dr. zu Guttenberg. Viele meiner Bekannten, die promoviert haben oder dies gerade tun, haben während dieser Zeit hart und lange für wenig Geld gearbeitet, mußten während dieser Zeit vielleicht auch noch eine Familie versorgen, und viele davon sahen so übernächtigt , aus als "wären sie durch einen Mähdrescher gelaufen". Ein Dr. zu Guttenberg, der als MdB so ungefähr 7k Euro im Monat verdient, von Hause aus auch nicht gerade unvermögend ist, dabei noch wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Berater zu Rate ziehen kann, der hat es natürlich deutlich schwerer, Familie, Studium und Abgeordnetentätigkeit unter einen Hut zu bringen.

Bei alldem ist aus den Reihen der Opposition bei einer solchen Steilvorlage wenig Kritik zu vernehmen. Da der Anteil der Akademiker im Deutschen Bundestag seit langem recht hoch ist, könnte sich einem bei solch einem stillen Protest fast der Verdacht aufdrängen, daß das Rampenlicht gerade etwas unvorteilhafte Aufmerksamkeit bedeuten könnte. Womöglich möchte niemand gerne in den Suchscheinwerfer geraten, wenn das Projekt "Guttenplag" in ein größeres Netzwerk umgewandelt wird, daß alle Dissertationen von exponierten Leistungsträgern unter die Lupe nimmt.

Steckt noch mehr dahinter? Guttenberg, der "Starfighter" der deutschen Politik, drohte Bundeskanzlerin Merkel schon lange gefährlich zu werden. Ist es vielleicht so, daß hier das Motto "Feind, Erzfeind, Parteifreund" gezogen hat? Oder Rivalitäten in Bayern, wo eventuell der CSU-Parteivorsitz im Gespräch gewesen wäre?. Interessant zu erwähnen in diesem Zusammenhang ist auch die Berichterstattung der "BILD". Hier will man Dr. zu Guttenberg noch noch stärker aus der Krise hervorgehen sehen. Diese "schwarz gefärbte" Berichterstattung könnte aber in den nächste Tagen schnell ins Gegenteil umschlagen.

Zu guter letzt: Die arme Alma Mater Bayreuth. Dort muß nun entschieden werden, was mit einer Doktorarbeit geschieht, die, sollten die Vorwürfe stimmen, zu fast 100% Fremdmaterial enthält, und den Titel "summa cum laude" erhalten hat. Wie wird sichergestellt, daß eine Prüfungskommission die zu prüfenden Arbeiten auch liest? Die Krise hat auch ihr Gutes. Die Zeitungen achten derzeit peinlichst genau, was zitiert wird und an den Universitäten wird das "Guttenberg Tastaturlayout" auch keinen Einzug halten.

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